Quo Vadis – Optik im Zeitalter des Internet

Wohin des Weges? Das Folgende ist ein Exzerpt des interdisziplinären Austausches vom 47. Kolloquiums der Fielmann-Akademie. Das Optik Inspektor Team gibt die Inhalte in einer für den Kunden verständlicheren Version wieder und zeigt auf, was das für die Zukunft bedeuten kann. Die detaillierte Version ist auf eyebizz, dem Fachjournal für die Augenoptik. Eyebizz ist inzwischen international vertreten, und interessant, um Nachrichten aus der optischen Industrie zu erhalten, die üblicherweise nicht in Tageszeitungen und anderen Medien enthalten sind. Trotz der Fachsprache ist vieles für den Nicht-Optiker verständlich.

„Augenoptiker und Augenärzte haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen bestmögliches Sehen für ihre Kunden und Patienten. Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung, die für beide Berufsgruppen zu enormen Umbrüchen führen wird.“ Quelle: Eyebizz

Status-Check – Computerprogramm erkennt Augenkrankheit – Smartphone App mach den Sehtest

Augenoptiker und Augenärzte haben seit der Einführung des Internets erhebliche Veränderungen in ihrem Berufsbild und deren Tätigkeiten erfahren. Dies trifft vor allem für die beratenden Berufe zu. Die Menschen werden global zunehmend älter (demografischer Wandel), und verlagert bei den Augenärzten den Fokus der Tätigkeit zur Betreuung von komplexen Krankheitsbildern, die vermehrt die ältere Generation betreffen.

„Die technologischen Entwicklungen helfen, Befunde schneller zu kategorisieren – mehr noch, erste Studien haben bereits gezeigt, dass Computerprogramme einzelne Krankheitsbilder ebenso gut erkennen wie ein Augenarzt.“

Die Sehtest-Apps für das Smartphone, ermöglichen eine Sehleistung einzuordnen, bevor man den Augenoptiker oder Augenarzt besucht. „Die Kernkompetenzen von Ärzten und Optikern verlagerten sich so zunehmend in die breite Öffentlichkeit: Internet, Geräte, Apps. Die Menschen, die persönlich in die Praxen oder Geschäfte kommen, erwarten einen Mehrwert“, den die Apps und die kostenlosen Informationen im Internet nicht bieten können.

Dieser Mehrwert ist nun ausschließlich in der persönlichen Beratung zu finden, die es nicht im Internet gibt.

Altes Konkurrenzverhalten endlich ablegen

„Wir sollten aufhören, an unseren alten Vorstellungen über die beiden Berufsbilder festzuhalten und uns mehr damit beschäftigen, wie wir Schnittstellen zur Befundübermittlung und Informationsaustausch realisieren können.“ Der technologische Fortschritt sei nicht aufzuhalten. „Wenn wir vor lauter Konkurrenzdenken das gemeinsame Ziel, bestmögliches Sehen für Kunden und Patienten zu ermöglichen, aus den Augen verlieren, übernehmen dies in der Zukunft vielleicht die Drogeriemärkte“, appellierte Schrage auf dem Fielmann-Kolloquium.

Die Digitalisierung in der Optik ist viel weiter als angenommen

Den Themen der Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz (KI) kann sich inzwischen niemand mehr entziehen. Viele Berufsbilder sind von diesen Technologien betroffen. Da bilden die Augenärzte und Augenoptiker keine Ausnahme. Nehmen wir nur einmal die Anwälte. Wenn immer ein Resultat davon abhängt, dass ein System, mit einer für das menschliche Gehirn nicht zu erfassenden Datenmenge, befüllt wird, um einen Parameterabgleich durchzuführen, ist der Mensch für so eine Aufgabe weitgehend obsolet.

Einfach erklärt:

Die KI kann längst Gesichter erkennen. Das System kann mit Millionen von Gesichtern täglich befüllt werden und erkennt fast fehlerfrei ein abgefragtes Gesicht. Die KI kann auf Abfrage auch 10 oder 20 ähnliche Gesichter heraussuchen.

Zurück zum Anwalt: Für einen Vorgang wird ein Vertrag erstellt. Dem System werden nur die relevanten Vertragsbestandteile genannt, und die KI sucht aus allen verfügbaren Gesetzestexten die aktuellen Regelungen und Paragrafen heraus und verfasst den Schriftsatz. Die KI kann ebenfalls vertragliche„Feinheiten einbauen“ wenn immer das verlangt wird.

Netzhautscreening mit Künstlicher Intelligenz

In Großbritannien werden Bildanalyse-Systeme, die auf der Basis von machine-learning arbeiten, bereits seit einigen Jahren zur Klassifikation der Diabetischen Retinopathie (Eine durch die Zuckerkrankheit degenerative Erkrankung der Netzhaut) eingesetzt.
Die Software wird dazu mit einer großen Anzahl von Fundusbildern (Bilder der Netzhaut) gespeist. Entwickler markieren die relevanten Abweichungen und Veränderungen von der Norm und klassifizieren diese. Das heißt, der Maschine wird beigebracht, wie eine Netzhaut mit Abweichungen zum Standard aussieht. Die Software sucht nun selbstständig nach diesen Bildinformationen.

Die Studie zeigt eine Genauigkeit von 80 Prozent. Das reicht für ein Screening (Rastertest) um Patienten möglichst frühzeitig an einen Augenarzt zu vermitteln, erläuterte Andreas Cordes.

Anmerkung: Die Software wird sicherlich bald über 90 Prozent erreichen, und das ist dann ein Wert, der es für die KI möglich macht, mehr Aufgaben zu übernehmen.

Das „Deep-Learning“ der Maschinen

Das System wird mit Fundusbildern (Netzhautbilder) trainiert, die eine Erkrankung zeigen. Auf je mehr Bilder die Software zurückgreifen kann, desto sensitiver und spezifischer wird die Beurteilung, also das Lernen der Maschine. Das deep-learning der Maschinen wird somit besser, wenn eine hohe Streubreite der Daten, der in der Bevölkerung vorkommenden Varianzen, realisiert wird. “Für einzelne Krankheitsbilder, hier eine Netzhauterkrankung, können derart trainierte Algorithmen gleich gute Entscheidungen treffen wie ein Facharzt. Cordes sieht in der Künstlichen Intelligenz die Zukunft der Augenheilkunde. Wie auch Schrage betonte er, dass es besser sei, die Technologie anzunehmen und die eigene Rolle neu zu definieren, als sich ihr gegenüber zu verschließen.“

Der Sehtest mit der Smartphone App

Olaf Schmidt-Kiy erläutert, dass Sehtest-Apps auf dem Smartphone erhältlich sind und der Frage nachgegangen werden muss, inwieweit das auf die Zukunft der Augenoptikermeister und die Brillenglasbestimmung Einfluss hat? „Seien die Smartphones einmal für die Messung kalibriert und die Hardware modifiziert, erziele die Software außerdem ein gutes Ergebnis.“

In den Städten mit einer hohen Optikladendichte mag das noch nicht so relevant sein, „doch in entlegenen Regionen der Welt könnten die Apps die Versorgung jedoch verbessern, denn Smartphones und Internet gebe es überall, mutmaßte Schmidt-Kiy. Einige der Apps seien zudem mit einem Bestellprogramm verknüpft, so dass die Brillenversorgung sofort im Anschluss an die Messungen erfolgen könne. In seinem Fazit schloss sich Schmidt-Kiy seinen Vorrednern an: Den Kopf in den Sand stecken schütze nicht davor, dass die Dinge kommen.“

Blaues Licht – Nutzen und Risiko

„LED-Lampen fördern Makula-Degeneration.“ „Die Gefahren von blauem Licht.“ Schlagzeilen wie diese finden sich aktuell häufig in der Boulevardpresse. Blaues Licht sei jedoch nicht nur schädlich, weiß Hans-Jürgen.

Allerdings gibt es durchaus Situation, wo Blaulichtschutz sinnvoll ist, um Schäden an der Netzhaut zu vermeiden. Zum Beispiel beim Profi-Sport, mit hoher Lichtintensität und täglicher, stundenlanger Verweildauer im Freien. Ebenfalls kann nach einer Katarakt-Operation die Versorgung mit Blaulichtfiltern individuell nützlich sein. Anmerkung: Die eigene natürliche Augenlinse wird wegen einer Eintrübung operativ entfernt und an der selben Stelle eine Kunstlinse implantiert. Dabei seien Filtergläser mit höherer Absorption bis 440 nm und ausreichender Transmission im Bereich bis 480 nm sinnvoll. „Schauen Sie sich die Transmissionskurven Ihrer Brillengläser genauer an“, empfahl Grein.

Anmerkung: Auch hier gilt, den Individualfall abzuklären, ob und für wen, welche Filter notwendig und sinnvoll sind. Bitte vorab informieren und sich bei einem Augenarzt und Augenoptiker in einem persönlichen Gespräch beraten zu lassen.

Sehbeeinträchtigung durch Glaukom

Das Risiko für ernsthafte Erkrankungen der Augen nehme im Alter zu. „Das Glaukom sei eine dieser Erkrankungen, erläuterte Dr. med. Martin Michael Much, Leitender Oberarzt der Augenklinik Köln-Merheim. Im Verlauf der Erkrankung führe das Glaukom zu Gesichtsfeldeinbußen, die, solange das Zentrum nicht betroffen sei, durch die Erkrankten unbemerkt blieben. In Zeitschriften finde Much die Gesichtsfeldausfälle häufig als schwarze Flecke dargestellt.

 „Nur weil wir etwas nicht sehen, heißt das nicht, dass wir einen schwarzen Fleck sehen.“ Vielmehr fülle das Gehirn die fehlenden Bereiche sinnvoll auf. Als frühe, präperimetrische Symptome seien eine verlangsamte Lesegeschwindigkeit, geringere Kontrastempfindlichkeit, verminderte Reisetätigkeit und langsamere Orientierung im Supermarkt beschrieben. Die größte Patientengruppe sei über 80 Jahre alt und weise Begleiterkrankungen auf, weshalb die beschriebenen Symptome wenig Aussagekraft hätten.

Bis heute könne ein Glaukom nicht geheilt werden, die Progression können jedoch deutlich verlangsamt werden. Um Patienten möglichst lange bestmögliches Sehen zu erhalten, sei Früherkennung absolut wünschenswert.

Anmerkung: Eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung der Augen und der Zustand der Gesundheit des Sehorgans ist unerlässlich. Vor allem wenn bereits andere systemische Krankheiten wie Diabetes vorliegen. Ein Sehtest allein, um die Sehschärfe und Sehqualität festzustellen, gibt nicht Auskunft über die Gesundheit der Augen.

Mediatoren: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Norbert Schrage, Direktor der Augenklinik Köln-Merheim, und Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. (FH) Hans-Jürgen Grein, Leiter Wissenschaft der Fielmann Akademie Schloss Plön. Es werden im Dialog gemeinsame Perspektiven der Augenärzte und Augenoptiker beleuchtet.

Gleitsichtgläser gestern und heute

„Zurück bis in die Zukunft“ hieß es mit Dr. Sabine Latzel, Lens Design, Zeiss Vision Care, Aalen, die die Zuhörer auf dem Fielmann-Kooloquium mitnahm auf eine Zeitreise über die Entwicklung der Gleitsichtglasdesigns. Das erste Patent für ein Gleitsichtglas sei bereits im Jahre 1907 erteilt worden. Aufgrund der damals fehlenden Technologien habe dieses Glas nicht gefertigt werden können. Die kommerzielle Fertigung von Gleitsichtgläsern sei erst 1958 gelungen. Seither habe sich das Optikdesign deutlich weiterentwickelt.

Anmerkung: Es gibt kein Gleitsichtglas, welches alle Sehaufgaben im modernen Leben gleichermaßen erfüllt. Hier ist es wichtig, sich über die verschiedenen Designs (optisch-physikalisch) von Gleitsichtgläsern zu informieren und eine dementsprechende Beratung zu erhalten. Beispiel: Ist jemand die meiste Zeit vor einem Bildschirm, oder haben wir es mit einem Fernfahrer zu tun, der bei Nacht und bei Tag viele Stunden hinter dem Lenkrad verbringt.

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Das Optik Inspektor Team fasst folgendes zusammen:

Dienstleistung oder Endprodukt?

Jahrzehnte war die Kostentransparenz in vielen Branchen für den Kunden kaum oder sogar gar nicht gegeben. Vor allem in Bereichen, wo es üblich war, eine Mischkalkulation oder sogar nur einen pauschalen Gesamtbetrag „lump-sum“ zu bezahlen. Im Einzelhandel, wo Produkte oder Halbfertigprodukte angepasst oder veredelt werden ist das immer noch der Fall. Die Optik war und ist hier keine Ausnahme. Warum also nicht die Dienstleistung bezahlen, wenn nur diese gefragt ist? Eine Messung für die passende Glasstärke oder komplexere Beratungen sind vielleicht zu lange mit dem „kostenlosen Sehtest“ als pauschal angeboten worden. Die neuen Technologien bieten vielleicht Chancen, hier die Dienstleistung und Fachkompetenz wieder mehr in den Vordergrund zu stellen.

Was bedeutet das für den Kunden und den Anbieter?

Der Kunde muss verstehen, ob für eine Dienstleistung oder ein Produkt bezahlt werden soll. Sind die Glasstärken bekannt und keine offenen Fragen, muss keine Ausgabe für ein persönliches Treffen und ein Beratungsgespräch ausgegeben werden. Ist der Kunde ein Erstkäufer und hat keinerlei Vorkenntnisse, wird der Fachberater nach wie vor sehr wichtig sein. Der Anbieter ob stationär oder Online, muss sich ebenfalls im Klaren sein mit welcher „message“ Information er an seine Zielgruppe herantritt. Unklare Formulierungen und fehlende Transparenz, ob bewusst oder unbewusst, haben wenig Zukunft in der digitalen Informationswelt.

Euer Optik Inspektor Team

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